Stundensatz berechnen:

Darauf müssen Selbstständige und Freiberufler achten

Viele schätzen die Freiheit, ihr eigener Chef zu sein: freie Zeiteinteilung, freie Arbeitsplatzgestaltung, potentiell höhere Vergütungen. Doch um genau diese zu erzielen, benötigst Du als Freelancer ein umfassendes Know-how, Deine Leistungen auch möglichst gut verkaufen zu können. Die aktuell stabile Wirtschaftslage und der weitreichende Fachkräftemangel im IT-Bereich sorgen dafür, dass sich immer mehr Arbeitnehmer für die Selbstständigkeit entscheiden. Anstatt entsprechende Leistungen im großen Stile über die Inanspruchnahme großer Unternehmen zu erfahren, fällt mittlerweile vielerorts die Entscheidung zur kurzfristig und flexibel abrufbaren Manpower. Gerade auch viele mittelständische Agenturen oder auch Startups greifen zur Projektunterstützung bevorzugt auf freiberufliche Mitarbeiter zurück. Hier liegt der Vorteil vor allem auf der Seite des Freiberuflers: so sorgen Fachkräftemangel in Verbindung mit einer hohen Auftragslage mitunter für überdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten. Die Nachfrage ist dabei besonders hoch im IT-Bereich sowie im Service-Management. Selbstständige, die gern „solo“ unterwegs sind, werden hier gewissermaßen durch hohe Verdienstspannen gelockt. Damit auch Du entsprechende Potentiale im IT-Freiberufler-Bereich möglichst gewinnbringend ausspielen kannst, musst Du Deine Leistungen möglichst angemessen abrechnen können. Inwieweit hierfür eine individuelle Vorrecherche von Nöten ist, das haben wir innerhalb eines kurzen und informativen Artikels einmal für Dich zusammengetragen und möchten Dir damit wichtige Tipps und Tricks, um Deinen Stundenlohn berechnen zu können, mit auf den Weg geben.

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Entwickler und deren Stundenlohn - Berechnen deines Stundenlohns je nach Branche

Den Stundenlohn als Freiberufler zu berechnen stellt die Grundlage dafür dar, die selbstständige Karriere als langfristig profitabel zu gestalten. Deine erbrachten Leistungen sollten angemessen vergütet werden. Um einen ersten Anhaltspunkt dafür zu erhalten, kannst Du Dir zum Beispiel einen Überblick über die aktuelle Marktlage hinsichtlich der durchschnittlichen Löhne sowie Gehälter in der IT-Branche verschaffen. Dein entsprechender Tagessatz sollte aber oberhalb des Lohn- oder Gehaltsniveaus Deiner Branche angesiedelt sein, da Du als Selbstständiger ITler in der Regel höhere, persönliche Kostenpunkte zu tragen hast, als beispielsweise ein Arbeitnehmer innerhalb eines Angestelltenverhältnisses. So wird der potentielle Tagessatz als Freiberufler unter anderem von der Notwendigkeit privater Krankenkassenbeiträge, Sozialversicherungsbeiträge (vollumfänglich, da hier Arbeitgeberanteil auch selbst zu übernehmen ist) sowie Rechtsschutzversicherungsbeiträge maßgeblich beeinflusst. Die genannten Zusatzausgaben sollten in jedem Fall in die Berechnung Deines Tagessatzes als Entwickler aufgenommen werden. Hinzu kommen zudem noch (Opportunitäts-)Kosten für die entsprechende Auftragsakquise, für administrative Arbeiten sowie auch potentielle Reisekosten, Kosten für eine Steuerberatung und Ausgaben für Miete und Büroausstattung. Auch lautet ein wichtiger Grundsatz,  dass Du nicht alle Stunden, in denen Du arbeitest, auch abrechnen kannst. (Lies hier, wie du deutlich mehr Stunden pro Jahr fakturieren kannst.) Darüber hinaus soll nach Beachtung der genannten Ausgaben zudem auch noch ein Gewinn erwirtschaftet werden, vom dem Du Dir Dein Leben gut gestalten kannst und außerdem auch noch Rücklagen bilden kannst.

Wichtige Kennzahlen im Überblick

Eine wichtige Faustregel besagt, dass Du (vor allem als Anfänger) nur jede zweite bis dritte Stunde Deiner Arbeitsleistung auch wirklich verkaufen kannst. Dass bedeutet nicht, dass Du in den übrigen Stunden untätig bist, sondern dass Deine allgemeine Produktivität zu Beginn noch recht ineffektiv gestaltet ist. So muss eine abgerechnete Arbeitsstunde zur Berechnung Deines Tagessatzes als Freelancer in der Regel zwei bis drei unproduktive Stunden mitfinanzieren. Weiterhin wichtig ist es aber auch, dass Du nicht den Fehler machst und die Berechnung hinsichtlich Deiner freiberuflichen Stundenlohn Berechnung nicht auf einen Referenzwert von 300 Arbeitstagen im Jahr beziehst – Krankheitstage, diverse Urlaubs- und Feiertage und sonstige, freie Tage für Weiterbildungen sollten ebenfalls miteingeplant werden. Effektiv kommst Du als Selbstständiger so auf etwa 220 Tage im Jahr, an denen Du wirklich Geld verdienst. Hinzu kommen zudem die individuelle Kostenkalkulation sowie die Kalkulation der entsprechenden Auslastung. Auch der steuerliche Aspekt sollte durchaus in die Rechnung miteinbezogen werden. Pauschal beläuft sich dieser Wert in Bezug auf Deinen Stundenlohn als Freiberufler auf circa 25 bis 30 Prozent des Stundensatzes – gültig für alle Einkünfte freiberuflicher Art oberhalb der Kleinunternehmerregelung. Gestalten sich die Gewinne jedoch unterhalb der betreffenden Grenzen (unterhalb von 17.500 Euro Umsatz im ersten Jahr und weniger als 50.000 Euro im zweiten Jahr), so muss für die freiberufliche Erwerbstätigkeit überhaupt keine Steuern gezahlt werden.

Berechnung des Stundensatzes anhand eines Beispiels

Nach einiger Zeit als Freelancer wirst Du Deine Produktivität vielleicht auf 50 Prozent steigern können, jedoch solltest Du das nicht gleich auf die Berechnung Deines individuellen Lohns auf Stundenbasis ummünzen. Als Grundlage Deiner Stundensatzkalkulation dient der durchschnittliche IT Branche Stundenlohn für Dienstleistungsberufe. Auf einen Monat hochkalkuliert lag dieser im Jahre 2017 laut statistischem Bundesamt bei circa 3.970 Euro brutto im Monat. Geteilt durch 160 Stunden im Monat ergibt dies einen Stundensatz von 24,81 Euro. So einfach! Und auch noch so günstig! Oder?

Ganz so einfach ist es nicht. Denn im Fall der obigen 50-prozentigen Produktivität bräuchtest Du bereits den doppelten Stundensatz, um auf den angestrebten Lohn zu kommen. Außerdem willst du als Freelancer überdurchschnittlich viel verdienen und es sind noch keine Kosten in deiner Rechnung aufgeführt. Es ist abzusehen: Mit einem Stundensatz von 50 Euro kommen wir an dieser Stelle nicht sehr weit.

Um deinen Mindeststundensatz als Freiberufler zu berechnen, gehe wie folgt vor:

Bei 160 Stunden im Monat kommst Du ohne Ausfälle, Urlaub oder sonstige Verpflichtungen auf ca. 1920 Stunden im Jahr, die Du arbeiten könntest. Selbstverständlich können diese kaum erreicht werden, weshalb du deine Krankheits- und Urlaubstage im Voraus in deine Stundensatzberechnung einbeziehen solltest. Auch Deine Kosten müssen hierbei bedacht werden: Wieviel Geld benötigst du bei deiner aktuellen Büromiete, Versicherung und Ausstattung um diese zu decken? Stehen diese Parameter fest, kannst Du ausgehend von deinem gewünschten Jahresgehalt folgende Formel anwenden:

Gewünschtes Bruttogehalt + Kosten / Anzahl zur Verfügung stehender Stunden

Nehmen wir also an der freiberufliche Entwickler Emil hat ein gewünschtes Jahresgehalt von 50.000 Euro brutto. An Kosten zahlt er im ersten Jahr insgesamt ca. 20.000 Euro. Gehen wir darüber hinaus von 25 Urlaubstagen und 2-3 Krankheitstagen aus sind von den ursprünglich 1920 Stunden nur noch knapp 1.700 Stunden übrig. Abzüglich der oben angegebenen 50% müssen also Kosten sowie der gewünschte Lohn in 850 Stunden gedeckt werden.

50.000 (Wunschgehalt im Jahr + 20.000 (Kosten im Jahr) / 850 fakturierbare Stunden = 82,35 Euro pro Stunde.

Im nächsten Schritt solltest Du abwägen, wieviel Puffer du für eventuelle Rabatte einkalkulieren solltest. Arbeitest du zum Beispiel viel für Agenturen, die deine Leistungen weiterverkaufen, kann es sinnvoll sein einen Rabatt bereits vorher aufzuschlagen um Spielraum in Verhandlungen zu haben und die eigenen Verdienstziele dennoch zu erreichen. Gehen wir in diesem Beispiel davon aus, dass Entwickler Emil sich eine Rabattspanne von 15% vorbehält.

82,35 Euro pro Stunde x 1,15 = 94,70 Euro pro Stunde

Um den Preis abzurunden sollte Entwickler Emil in diesem Fall also einen Stundensatz von 95 Euro pro Stunde wählen. So bietet sich genügend Spielraum um auch bei Verhandlungen das selbst gesetzte Umsatzziel zu erreichen.

Fazit: Wie Du nun ganz einfach Deinen individuellen, freiberuflichen Stundenlohn berechnen kannst

Den passenden Stundenlohn als Freelancer berechnen zu können fordert vom etwaigen, freiberuflichen Mitarbeiter nicht nur eine gewisse Menge Know-how, Weitsichtigkeit und eine realistische Sichtweise auf die Dinge ab, vielmehr auch eine große Portion Selbstbewusstsein. Denn oftmals gehört neben dem Wissen, den adäquaten Tagesssatz als Entwickler zu erfassen auch eine nicht zu verachtende Portion Mut dazu, an potentielle Kunden oder Unternehmen mit Stundensatzforderungen von 50, 75 oder sogar 100 Euro pro Stunde heranzutreten. Wer hier den Bogen überspannt und seinen Tagesssatz als Entwickler zu hoch ansetzt, dem droht vielleicht die Beendigung einer Honorarverhandlung oder vielleicht sogar die direkte Abkehr des Kunden in Spe. Jedoch läufst Du auf der anderen Seite auch Gefahr, dass Du Deine Leistungen bei einem zu gering gewählten freiberuflichen IT-Branche Stundenlohn unter Wert verkaufst. Hier ist das Mittelmaß zu wählen und der entsprechende IT-Stundensatz sollte sich zudem auch am eigenen Mehrwert messen, den Du Deinen Kunden als selbstständiger ITler bieten kannst. Insofern Du alle genannten Hinweise in puncto Stundenlohnberechnung für Selbstständige in der IT-Branche oder prinzipiell in Bezug auf die Thematik Stundenlohn berechnen nach Branche beachtest, wirst Du den für Dich individuell angestrebten Stundensatz für Deine Leistungen schnell und unkompliziert berechnen können.