Vom Festangestellten zum Freiberufler
Step-by-Step

Die richtigen Fragen stellen

Viele Entwickler die eine Zukunft als Freiberufler anstreben, stehen vor der Herausforderung den Schritt in die Selbstständigkeit aus einer Festanstellung zu wagen. Für eine erfolgreiche Unternehmensgründung ist eine strategisch ausgerichtete Positionierung im Markt notwendig. Diese wirft einige Fragen bezüglich der zukünftigen Selbstständigkeit auf.

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Grundlegende Positionierung

Zuerst muss beim Schritt in die Selbstständigkeit die Entwicklung der Geschäftsidee im Vordergrund stehen. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Kernkompetenzen und versuchen Sie diese möglichst detailliert zu formulieren. Hieraus können Sie ableiten in welchen Märkten Ihre Kompetenzen gefragt sind und Ihren zukünftigen Kundenkreis erschließen.
Auch sollten Sie überlegen wie Sie diese erreichen und wie Sie damit verbunden auftreten wollen. So könnte beispielsweise ein Web Developer, der auch im Webdesign geschult ist, mit einem eher kreativen Auftreten einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Natürlich müssen Sie sich hierbei nicht neu erfinden. Sie müssen sich Ihr eigenes Profil bewusst machen. Abgeschlossene Qualifikationen, Erfahrungen und Weiterbildungen sollten gesammelt und in einem CV zusammengefasst werden.

Darüber hinaus sollten Sie hinterfragen ob Sie für alle Bereiche der selbstständigen Tätigkeit ausreichend geschult sind. Arbeiten Sie bereits in Ihrer Festanstellung in einer eigenverantwortlichen Position so kann dies von Vorteil sein.

Darüber hinaus werden insbesondere Kenntnisse in kaufmännischen Tätigkeitsfeldern wie Kalkulation, Akquise und Networking benötigt. Sollten Sie an diesen Stellen eigene Defizite feststellen, ist es wichtig sich diese einzugestehen und entsprechende Fortbildungen wahrzunehmen, bevor Sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Gerade aus der Sicherheit einer Festanstellung heraus sollten Sie sich gründlich auf die Selbstständigkeit vorbereiten und sich genügend Zeit lassen.

Zeit lassen sollten Sie sich auch bei der Erstellung des Business-Plans. Dieser ist das wichtigste Kernelement Ihrer Gründung und fasst die grundlegende Positionierung zusammen. Hier werden alle Erkenntnisse bezüglich der Dienstleistung, der Finanzierung, der Kunden und der eigenen Qualifikation aufgeführt, um die eigene Ausrichtung zu definieren.

Kündigung vs. Nebenberuf

Ist das Fundament für die Gründung festgelegt, muss sich der zukünftige Freiberufler entscheiden zu welchem Zeitpunkt und in welcher Art er in die Selbstständigkeit treten möchte. Zunächst steht die Überlegung an, ob der Übergang in die Freiberuflichkeit zunächst nebenberuflich stattfinden soll oder ob man den neuen Lebensabschnitt sofort beginnen möchte.

Mit ausreichenden Rücklagen und ein wenig Risikofreude hat man hier natürlich eine leichte Wahl. Aber was wenn das Ersparte für die ersten Wochen und Monate nicht reicht?

Viele Arbeitgeber bieten mittlerweile die Möglichkeit Stunden zu reduzieren. Dies ermöglicht Festangestellten ohne ausreichende Rücklagen, auf einem sicheren Standbein in die Selbstständigkeit zu treten.
Je nach Art der Selbstständigkeit sollte hier auch auf die Versicherungspflicht
geachtet werden. Nebenberufler sind von der Sozialversicherungspflicht auf das Einkommen Ihrer Selbstständigkeit befreit, solange sie

  1. Nicht mehr Einnahmen erzielen als durch Ihren Hauptberuf
  2. Der Umsatz nicht über 75% der Bezugsgröße zur gesetzlichen Rentenversicherung liegt (Diese liegt 2018 bei 3.045 Euro monatlich)
  3. Nicht mehr als 18-20 Stunden pro Woche investieren

Auch für die Vollzeit-Freiberufler gilt hier besondere Vorsicht. Freiberufler sollten sich damit auseinandersetzen wie Sie Ihren Freiberuflerstatus sichern und somit der Scheinselbstständigkeit und der damit einhergehenden Rentenversicherungspflicht entgehen können. Hier können bei einer negativen Prüfung Beiträge für bis zu vier Jahre in Höhe von ca. 24.000 Euro fällig werden.

Fördermittel & Gründercoachings

Für die Gründung aus einer Festanstellung können verschiedene Zuschüsse beantragt werden. Hierbei werden insbesondere Gründercoachings und Beratungen, die zur Vorbereitung und Durchführung der Gründung dienen bezuschusst. Neben staatlicher Unterstützung durch die “Förderung unternehmerischen Know-hows” des Europäischen Sozialfonds können hier auch Förderungen, wie das Gründercoaching der KfW beantragt werden.
Ein Existenzgründercoaching kann für den Schritt in die freiberufliche Tätigkeit entscheidend sein, da hier die Lösungen für Probleme bei der Gründung, sowie Themen wie Scheinselbstständigkeit und Rentenversicherungspflicht vermittelt werden.
Der Gründerzuschuss der Agentur für Arbeit wird für Gründer aus einer vorherigen Festanstellung nicht vergeben. Hierfür muss eine vorangegangene Arbeitslosigkeit vorliegen.

Marketing & Networking

Auf Grundlage des CV und des eigenen Profils sollten Sie sich überlegen wie Sie sich am Markt positionieren. Die gesammelte Berufserfahrung sowie berufliche Erfolge sollten bei der Festlegung eines an die Konkurrenz angepassten Preises berücksichtigt werden. Haben Sie beispielsweise während Ihrer Festanstellung eine erfolgreiche Karriere in eigenverantwortlicher Position durchlaufen, so sollte dieser im Vergleich zur Konkurrenz höher liegen, um Ihre Erfahrung und die Qualität Ihrer Arbeit zu repräsentieren. Sind Sie hingegen noch eher am Anfang Ihrer Karriere, so sollten Sie diesen stärker an die Konkurrenz annähern.
Auch sollten Sie überlegen ob Sie Direktaufträge akquirieren können oder eine Subunternehmerschaft erreichen wollen, da sich hieraus auch die benötigten Kanäle für die Eigenvermarktung ergeben: Informieren Sie sich über Messen, Kongresse, Tagungen auf denen Sie wichtige Kontakte knüpfen können. Auch außerhalb des beruflichen Umfelds können Orte, wie Hackerspaces, in Ihrer Nähe zu interessanten Begegnungen und wichtigen Kontakten führen.
In Zeiten in denen Facebook bis LinkedIn nicht mehr von den Bildschirmen wegzudenken sind, ist selbstverständlich auch die Vernetzung via Social Media ein essentielles Thema. Stellen Sie sicher, dass Ihre Profile up to date sind und Sie sich aktiv mit Ihren Kunden vernetzen.
Hierbei gilt es natürlich auch den eigenen Auftritt aktiv zu gestalten und das Design der eigenen Geschäftsausstattung festzulegen. Website, Social Media und Geschäftsausstattung sollten hier einer gemeinsamen Linie folgen.

Fazit

Der Übergang von der Festanstellung zur Gründung sollte in jedem Fall strukturiert, organisiert und individuell angepasst durchgeführt werden. Auch nach der Gründung sollten Freiberufler sich kontinuierlich weiterbilden und Kenntnisse sowie Marktausrichtung an die aktuellen Entwicklungen anpassen. Stellen Sie sich die richtigen Fragen und lauschen Sie aufmerksam den Antworten, um für die Zukunft die richtigen Entscheidungen zu treffen

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