Was in deinem Business alles schiefgehen kann...

und wie du dich als IT-Freelancer richtig absicherst!

Inhalt

  1. Was schiefgehen kann: Schadenfälle aus der Praxis
  2. Entwickler legt tagelang alle Formulare einer Kundenwebsite lahm
  3. IT-Dienstleister verursacht Servercrash: 100.000 Euro Schadenersatzforderung
  4. ITler setzt Schneepflug in Brand: über 14.000 Euro Sachschaden
  5. Checkliste: So sieht eine gute Absicherung für IT-Freelancer aus

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Ralph Günther

Ralph Günther

Ralph Günther von exali.de gilt als ausgewiesener Experte, wenn es um Risikomanagement und spezifische Haftpflichtversicherungen für freie Berufe, Dienstleister und mittelständische Unternehmen der IT-, Medien-, Consulting- und eCommerce-Branche geht. Als einer der Vorreiter im Online-Versicherungsbusiness hat er aktiv an der Verbesserung des Versicherungsschutzes für Freiberufler mitgewirkt und neue Leistungserweiterungen am Markt eingeführt. Sein Wissen gibt er regelmäßig als Autor in relevanten Fachmedien an seine Zielgruppe weiter.

Datenlack, Servercrash oder Hackerangriff – im IT-Bereich gibt es viele Risiken und täglich neue Schlagzeilen über Datendesaster oder Sicherheitslücken. Wenn dich dein Kunde als IT-Freelancer dafür verantwortlich macht, kann das schnell sehr teuer werden – bis hin zum finanziellen Ruin. Damit das nicht passiert, ist eine gute Absicherung für ITler besonders wichtig. Wie die aussieht und was in der Praxis eines IT-Freelancers so alles schiefgehen kann, erklärt unser heutiger Gastautor, Versicherungsexperte Ralph Günther von exali.de.

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Was schiefgehen kann: Schadenfälle aus der Praxis

In deinem täglichen Business als IT-Freelancer kann so einiges danebengehen. Das können zum einen finanzielle Schäden (sogenannte Vermögensschäden) oder Sachschäden beim Kunden sein, die du durch deine Arbeit verursachst und wofür du Schadenersatz bezahlen sollst. Zum anderen können auch bei dir selbst teure Schäden entstehen (sogenannte Eigenschäden). Was beispielsweise passieren kann, zeigen diese echten Schadenfälle aus meiner Berufspraxis bei exali.de:

Entwickler legt tagelang alle Formulare einer Kundenwebsite lahm

Dass kleine Korrekturen zu einem großen Schaden führen können, bekam ein Entwickler am eigenen Leib zu spüren. Er sollte die Seite seines Kunden, eines Reiseunternehmens, minimal in Sachen Nutzerfreundlichkeit anpassen. Doch anstatt nach der Arbeit des Entwicklers für die Kunden des Reiseunternehmens noch attraktiver zu sein, war die Website überhaupt nicht mehr zu erreichen! Keine Buchungsanfragen, keine Katalogbestellungen und keine Kontaktaufnahmen, und das mehrere Tage lang! Der Grund: Der IT-Freelancer hatte versehentlich alle Formulare zerschossen. Am Ende standen ein Umsatzausfall von knapp 90.000 Euro und eine Schadensersatzforderung an den ITler in Höhe von 9.000 Euro für den entgangenen Gewinn des Kunden.
In einem weiteren echten Schadenfall begann alles damit, dass sich der Kunde eines IT-Dienstleisters über eine Fehlermeldung im System beschwerte. Nach dem Versuch, das Problem mit einem Remote-Zugriff zu lösen, machte sich der ITler mit seinem Team im Serverraum auf die Fehlersuche. Nach einiger Zeit kam heraus: Ein Defekt an den Speicherplatten im Server hatte die Datenduplizierung gestört. Der ITler tauschte die defekten Komponenten aus und wollte das vorhandene Backup einspielen. Doch auch das war nicht zu gebrauchen! Der IT-Dienstleister beauftragte daraufhin eine Datenrettungsfirma, die, anstatt Retter in der Not zu sein, alles nur noch schlimmer machte: Alle Datensätze waren endgültig weg! Am Ende stand eine Schadenersatzforderung an den ITler von rund 100.000 Euro.

ITler setzt Schneepflug in Brand: über 14.000 Euro Sachschaden

Dass ITler auch einen Sachschaden verursachen können, zeigt dieser kuriose Fall aus den exali.de Akten, in dem der ITler eine ungewöhnliche Aufgabe übernommen hat. Eine Straßenmeisterei beauftragte ihn damit, eine Telematik für Winterdienste zu programmieren und in ein Räumfahrzeug einzubauen. Diese dokumentiert zum Beispiel, welche Straßen das Räumfahrzeug bereits gestreut oder geräumt hat und übermittelt die Daten an die zuständige Behörde. Die Stromversorgung dieses Systems sollte über die Sitzheizung des Fahrzeuges laufen. Anstatt das Anschlusskabel aber an den Sicherungsausgang anzuschließen, schloss der ITler es am Eingang der Sicherung an. Ein paar Wochen später gab es unabhängig vom Fehler des ITlers an der vorderen Stoßstange des Schneepflugs einen Defekt, der zu einem Kurzschluss führte. Da das Kabel vor der Sicherung angeschlossen war, konnte diese nicht herausspringen und ein Überhitzen des Fahrzeugs verhindern. Die Folge: Das Kabel überhitzte, begann zu schmoren und der Schneepflug qualmte. Nur weil der Schneepflugfahrer geistesgegenwärtig reagierte, konnte Schlimmeres verhindert werden. Der Sachschaden am Schneepflug betrug aber trotzdem rund 14.000 Euro, die der ITler bezahlen sollte.

Checkliste: So sieht eine gute Absicherung für IT-Freelancer aus

Wenn dir nun angesichts dieser Risiken etwas mulmig wird. Keine Panik! Du kannst dich durch eine Berufshaftpflichtversicherung absichern. Die folgende Checkliste zeigt dir, was eine gute IT-Haftpflicht beinhalten sollte:
  • Reine Vermögensschäden: Bei ca. 90 Prozent der Schäden, die IT-Experten verursachen, handelt es um keine Personen- oder Sachschäden, sondern um reine Vermögensschäden (Quelle: interne exali.de-Studie). Daher müssen reine Vermögensschäden unbedingt abgesichert sein.
  • Offene Formulierung/überschneidende Tätigkeiten: Deine Versicherung sollte alle Tätigkeiten einschließen, die du als IT-Freelancer ausübst, ohne dass diese Tätigkeiten einzeln aufgelistet werden. Außerdem sollte sie überschneidende Tätigkeiten einschließen (zum Beispiel aus dem Consulting- oder Medienbereich)
  • Vertragliche Haftung: Viele IT-Projektverträge enthalten Klauseln, die deine Haftung über die gesetzlichen Regelungen hinaus verschärfen. Diese Regelungen, die oft Vertragsstrafen und pauschal vereinbarten Schadenersatz enthalten, sollten daher abgedeckt sein.
  • Rechtsverletzungen: Achtung Abmahnung! Marken-, Urheber- oder Lizenzrechtsverletzungen sind Schadenklassiker und sollten umfänglich abgedeckt sein.
  • Veröffentlichungsrisiken: Eigenmarketing ist für IT-Freiberufler wichtig. Daher sollte eine gute Berufshaftpflicht alle Risiken aus der Veröffentlichung deines eigenen Contents – zum Beispiel auf Blogs, in Sozialen Medien oder auf deiner Website – einschließen.
  • Datenschutz-Verstöße: Verstöße gegen die umfassenden Datenschutzgesetze (DSGVO) und Geheimhaltungspflichten aus dem Projektvertrag müssen abgesichert sein.
  • Mal- und Ransomware: Es ist fast unmöglich, IT-Systeme 100 Prozent sicher zu machen. Daher ist eine Absicherung von Virenschäden und Informationspiraterie wichtig.
  • Internationalität: Heutzutage lassen sich Schäden auch bei lokalen Aufträgen nicht auf das Inland begrenzen. Daher sollte der Versicherungsschutz auch internationale Schadenfälle beinhalten.
  • Umsatzausfälle/Mehrkosten: Deine Fehler können auch Umsatzausfälle oder Mehrkosten beim Kunden verursachen (zum Beispiel durch Systemausfälle oder Datenverluste). Diese Folgeschäden sollte eine gute Berufshaftpflicht abdecken.
  • Projektverzögerung: Projektverzögerungen (zum Beispiel durch Überschreiten von Deadlines) kommen gerade im IT-Bereich häufig vor. Auch für diesen Fall solltest du abgesichert sein.
  • Eigenschadenoptionen & Zusatzbausteine: Da sich die Tätigkeits- und Einsatzbereiche von IT-Freelancern zum Teil stark unterscheiden, solltest du deine Berufshaftpflichtversicherung individuell auf deine Bedürfnisse anpassen können! Du solltest Eigenschadenoptionen wählen können; das bedeutet, dass du bei Schäden, die bei dir selbst entstehen, abgesichert bist (zum Beispiel bei einem Hackerangriff oder wenn dein Auftraggeber vom Projekt zurücktritt). Außerdem solltest du Zusatzbausteine wählen können, mit denen du deinen Versicherungsschutz erweitern kannst, zum Beispiel für den Einsatzbereich Engineering.

Generell gilt: Eine gute IT-Haftpflicht lässt sich an deine individuellen Bedürfnisse anpassen, bietet dir umfassenden Schutz gegen die häufigsten Business-Risiken und passt sich neuen Aufgabengebieten und Herausforderungen in der IT-Branche an.